Vorurteile über den friedvollen Weg mit Pferden (und wie es wirklich ist)

Sonja BurgemeisterBlogLeave a Comment

Ganz egal für welchen Weg du dich entscheiden wirst - überall gibt es Vorurteile. Natürlich gibt es auch Vorurteile über den friedvollen Weg mit Pferden.

Doch was sind Vorurteile überhaupt?

Ein Vorurteil ist ein Urteil das gefällt wird, bevor man eine gründliche und umfassende Untersuchung darüber durchgeführt hat. Ergo - ohne selbst die Erfahrung gemacht zu haben. Es handelt sich dabei also mehr um einen Verdacht, den Glauben daran oder die Angst davor. 

In diesem Blogartikel habe ich verschiedene Vorurteile über den friedvollen Weg mit Pferden zusammengetragen und werde mal meine Gedanken und Erfahrungen darüber mit dir teilen. Diese Erfahrungen stammen aus den ganzen Jahren, in denen ich selber diesen friedvollen Weg gehe und natürlich aus der Begleitung diverser Pferd-Mensch Paare in meinen Kursen und Coachings.

Los geht's: 

1. "Wenn ich den friedvollen Weg mit meinem Pferd gehe, dann kann ich ihm bald nur noch beim Fressen zusehen."

Genau so sollte sich das Miteinander von Mensch und Pferd auf dem friedvollen Weg nicht entwickeln. Stattdessen geht es darum, dass Pferd und Mensch wieder zusammenfinden und auch aktiv und gerne Zeit miteinander verbringen. Dazu gehört auch, sich zusammen zu bewegen.

Was ist, wenn das Pferd sich wirklich verweigert?

Es kann - unter gewissen Voraussetzungen - schon passieren, dass das Pferd eine Weile die Nase voll hat vom Menschen. Sich vielleicht eine Weile vom Menschen abwendet oder sich sogar gegen ihn wendet. Pferde die sich so verhalten, haben immer einen Grund. Wenn sich die Pferde so verhalten, dann ist klar, dass sie negative Erfahrungen mit dem Menschen verknüpfen, bzw. mit dem, was der Mensch mit ihnen gemacht hat.

Das bedeutet aber nicht, dass man sie einfach auf eine Weide stellt und nichts mehr mit ihnen machen kann. In seltenen Fällen ist das für eine gewisse Zeit eine mögliche Lösung aber so macht das Pferd natürlich auch keine neuen Erfahrungen mit dem Pferd.

Wenn das Pferd wirklich nicht mehr mit macht, dann such nach der Ursache. Welche Befürchtungen oder Erwartungen hat das Pferd? Auch ein Perspektivenwechsel kann helfen. Und dann steht Veränderung auf dem Plan. Das Pferd braucht neue Erfahrungen - positive - damit es wieder gerne mit dir zusammen und aktiv ist.

2. "Friedvoll kann ich mein Pferd aber nicht bewegen, dann macht es nicht mit und wird fett."

Pferde sind Bewegungstiere. Ihre Natur ist es, ständig in Bewegung zu sein. Bewegung an sich ist für das Pferd also grundsätzlich nicht das Problem. Doch wenn sich die Pferde bewegen, dann weil es notwendig ist um zum Beispiel an den nächsten Grashalm oder zum Wasser zu kommen. Oder sie bewegen sich einfach weil sie Freude daran haben oder aber weil ein anderes Pferd sie wegtreibt, um das zu bekommen, was das andere Pferd hat (hier geht es um Ressourcen).

Den letzten Punkt kann man sehr viel häufiger bei Pferden beobachten, die vom Menschen gehalten werden als bei Pferden, die frei leben. 

Was wird den Pferden aber oft angeboten? Es sind Dinge, bei denen vor allem der Mensch denkt, dass sie wichtig fürs Pferd sind. Zum Beispiel, damit er es "schadenfrei" reiten kann. Der Mensch sieht hier eher einen Sinn als das Pferd und der Mensch hat meist mehr Freude daran als das Pferd.

Willig zu sein bedeutet nicht etwas gerne zu machen

Ist das Pferd willig und folgt den Anweisungen des Menschen, dann bedeutet das übrigens keineswegs, dass das Pferd Freude daran hat. Das kommt ganz darauf an, aus welcher Motivation heraus das Pferd so willig ist. Hat es gelernt, dass es unangenehme Konsequenzen erlebt, wenn es nicht so willig mit macht? Oder verknüpft es damit wirklich etwas Positives? Hier gilt es genau hinzuschauen.

Dass, was du deinem Pferd anbietest, sollte sich immer an eurem aktuellen Beziehungsstand orientieren. Wozu ist dein Pferd bereit? Wenn es sich noch von dir abwendet wenn du kommst, dann ist deine Aufgabe erst einmal daran zu arbeiten, dass es zu dir kommt. Ohne Zwang, ohne Druck, ohne unangenehme Konsequenz.

Allein dieser Punkt wird so oft übersprungen, aus der Angst heraus, dass man dann das Pferd ja gar nicht bewegen kann. Doch investierst du die Zeit nicht (und hierbei geht es in den allermeisten Fällen nur um wenige Tage, wenn überhaupt), kommst du aus dem "Ich muss Druck machen, sonst kommt es gar nicht mit" nicht heraus.

Erschaffe positive Erfahrungen!

Dein Pferd lernt. Es entwickelt Erwartungen. Zum Beispiel, dass du immer wenn du auf eine bestimmte Art und Weise zu ihm kommst, ihr dieses oder jenes machen werdet. Es findet also eine Verkettung statt, die das Pferd abspeichert. Speichert es ein Erlebnis positiv ab, ist die Chance sehr groß, dass es beim nächsten Mal noch motivierter sein wird, mit dir aktiv zu werden. War das Erlebnis aber negativ für dein Pferd, dann wird die Motivation abnehmen.

Es ist also deine Aufgabe, das Miteinander mit deinem Pferd so zu gestalten, dass es motivierter wird mit dir aktiv zu sein. Das ist viel leichter, als du vielleicht gerade denkst. Überleg dir am Besten schon bevor du zu deinem Pferd gehst ein paar Strategien und betrachte sie vor allem auch aus der Perspektive deines Pferdes.

3. "Wenn ich mich bei meinem Pferd nicht mehr durchsetze, dann macht mein Pferd mit mir was es will. Friedvoll geht halt nicht immer."

Basiert das Miteinander mit deinem Pferd bisher auf negativer Verstärkung und Funktionieren/Kontrolle, dann kann es sehr gut sein, dass das Pferd sobald du dich nicht mehr durchsetzt sich plötzlich verweigert. Ich kenne das nocht gut von früher, als das auch mein denken war. Gedanken wie "Du musst der Chef sein" oder "Wenn du dich jetzt nicht durchsetzt, dann hast du verloren!" schwirrten mir in meinem Kopf herum.

Doch darauf basiert das friedvolle Miteinander nicht. Hier geht es um Kompetenzen, gute Entscheidungen treffen, Strategien entwickeln, sich selbst wirklich gut kennen, wissen was du ausstrahlst und darum, das Pferd wirklich lesen zu können. Nicht um Macht, Kontrolle oder eine (unauthentische) Chefposition.

Du erschaffst eine neue Basis mit deinem Pferd!

Du darfst also mal tiiiief durchatmen und dir erstmal den Druck nehmen, dass du im Miteinander mit deinem Pferd etwas sein musst, was du vielleicht gar nicht sein möchtest. Sei einfach erstmal du selbst und werde dir klar darüber, dass du nun eine andere Basis erschaffst!

Pferde, die lange funktionieren mussten, kommen oft in eine Rebellenphase, wenn es keine unangenehmen Konsequenzen mehr dafür gibt, wenn sie etwas nicht machen. Das ist ein ganz normaler Prozess, der umso schneller vorüber geht, desto weniger du in alte Muster fällst.

Ich empfehle dir auf jeden Fall Unterstützung zu suchen, wenn du selbst das Gefühl hast, da allein nicht weiter zu kommen. Ich biete regelmäßig Onlinekurse und Seminare an und auch Einzelbegleitung in Form von Onlinecoachings. Du musst keine Scheu davor haben dir Hilfe zu suchen. Das bedeutet nicht, dass du versagt hast oder so. Ganz im Gegenteil. Wir alle kommen mal an unsere Grenzen. Melde dich gerne für ein Kennenlerngespräch mit mir.

4. "Man kann nicht immer friedvoll mit Pferden umgehen."

Grundsätzlich muss hier erstmal die Frage geklärt werden, was unter friedvoll und nicht friedvoll verstanden wird. Wo hört friedvoll auf und wo fängt Gewalt an? Das entscheiden nicht nur wir, sondern vor allem die Pferde. Wir können entscheiden, was wir als Gewalt empfinden aber das Pferd hat seine eigenen Empfindungen. Deshalb ist es wichtig, immer das Befinden des Pferdes im Auge zu behalten.

Es kann mal passieren, gerade am Anfang des Weges, dass wir etwas machen was das Pferd als nicht friedvoll wahrnimmt. Zum Beispiel wenn wir ihm unbedacht ins Gesicht grabschen oder doch am Strick ziehen, weil die Kommunikation und die Beziehung an noch auf wackeligen Beinen stehen. Doch mit der Zeit wird es immer friedvoller werden. 

Vergiss nicht, dass du dich auf einem ganz neuen Weg befindest, den du so noch nie gegangen bist. Du kannst immer nur die Entscheidung treffen, von der du gerade überzeugt bist, dass das die beste Wahl ist. Dazulernen kannst du immer und wirst du auch. Du wirst vielleicht mal eine Entscheidung treffen, von der du hinterher denkst "Was hab ich da nur gemacht?!" Und dann kannst du dir überlegen, was du beim nächsten Mal anders machen wirst. 

Es geht immer darum, die friedvollste Lösung zu finden!

Friedvoll bedeutet vor allem auch früh zu reagieren - bevor es zu körperlichen Konflikten kommen kann. Beispiel: Das Pferd kommt sehr nah und du verpasst ihm mitzuteilen, dass es doch bitte etwas Abstand halten soll. Doch selbst wenn das Pferd dann doch so nah kommt, dass es dir schon unangenehm ist, kannst du friedvoll reagieren. Du könntest ausweichen, als wär das sowieso gerade dein Plan gewesen und parallel weiter darauf bestehen, dass es Abstand halten soll. 

Das Vorurteil, man könne nicht immer friedvoll mit dem Pferd umgehen, wird übrigens oft bei Situationen angeführt, die absolute Ausnahmesituationen mit dem Pferd darstellen. Zum Beispiel, wenn das Pferd dringend in einen Anhänger muss um in die Tierklinik gebracht zu werden. Wie oft aber kommt genau das vor? 

Wenn wir die Beziehung und die Kommunikation mit dem Pferd von Grund auf friedvoll aufbauen und leben, dann entwickelt sich eine Beziehung zwischen Mensch und Pferd, die so stark und klar ist, dass das Pferd auch in herausfordernden Situationen dem Menschen wirklich vertrauen kann und mit ihm meistern wird. 

Natürlich bedeutet es im absoluten Ausnahmefall auch mal Gesundheit vor Beziehung - aber auch das kann der friedvollste Weg in diesem Moment sein und vor allem der, der am Besten für das Pferd und seine Gesundheit ist. 

Ausnahmefall bedeutet aber nicht, dass es zum Beispiel beim Ausreiten mit deinem Pferd gerechtfertigt ist, wenn du die Gerte einsetzt nur weil es nicht vorwärts gehen möchte. Das ist kein Ausnahmefall! sondern ein Fall für ein kritisches Hinterfragen, ob und wo es in der Kommunikation und im Miteinander noch hackt. 

Den friedvollen Weg mit seinem Pferd zu gehen bedeutet, auch in den herausfordernsten Situationen die friedvollste Reaktionsmöglichkeit zu wählen, die friedvollste Strategie zu nutzen, die du in diesem Moment kennst. Nicht mehr und nicht weniger. 

5. " Ich kann den friedvollen Weg nicht gehen mit meinem Pferd, ich will mein Pferd ja schließlich auch mal reiten oder zu einem Lehrgang fahren. Da kann ich ja nicht immer Rücksicht darauf nehmen, ob mein Pferd gerade will oder nicht."

Hier kann ich definitiv zustimmen. Gerade beim friedvollen Weg geht es darum, dass das Pferd nicht mehr funktionieren muss und wir unsere Bedürfnisse nicht auf Kosten des Pferdes ausleben wollen. Natürlich bin ich davon überzeugt, dass der friedvolle Weg sich extrem positiv auf die Beziehungen zwischen Pferd und Mensch auswirkt - sonst würde ich das so nicht leben. Doch jeder Mensch muss für sich selbst entscheiden, welchen Weg er gehen möchte.

6. "Ich hätte das Gefühl, dass ich mich nicht gut genug um mein Pferd sorge, wenn ich es immer nur machen lasse was es möchte."

Beim friedvollen Weg mit Pferden geht es nicht darum, dass das Pferd sein Ding machen und  der Mensch nur dabei zusehen darf - wie weiter oben schon beschrieben. Natürlich ist es auch weiterhin wichtig, dass die Pferde sich viel bewegen aber das ganze findet nun auf einer anderen Basis statt.

Es ist jetzt deine Aufgabe, dass Miteinander mit deinem Pferd so zu gestalten, dass es euch beiden gut tut. Durch die Sorgen die du dir machst, kommst du in einen energetischen Zustand des Mangels. Du ziehst dadurch genau das an, was deine Sorgen bestätigen wird. 

Du bekommst in deinem Leben immer den Spiegel vorgesetzt. Das was in deinem Innen passiert, wird im Außen zu dir zurückkommen.

Du wirst dann andere Dinge in dein Leben ziehen, wenn deine Energie - also deine Gedanken - sich verändern. Indem du also neue Gedanken denkst, die dich in den Zustand von Fülle bringen. Dankbarkeit und Freude, für das was du hast ist ein sehr guter Anfang. Versetz dich emotional in diesen Zustand und das immer und immer wieder. 

Sei aber auch okay damit, wenn du mal wieder in eine negative Emotion rutschst. Das ist vollkommen okay. Du sollst schließlich auch nicht mit dir in den Kampf gehen, nur weil du nicht immer strahlst wie ein Honigkuchenpferd. Und vergib dir für all die schlechten Gedanken, die du über dich und dein Pferd denkst. Bedank dich bei dir selbst dafür, dass du das tust. 

Alles weitere ist Beziehungsaufbau, so, wie ich es bei den anderen Punkten schon erklärt habe.

Weißt du was das Wichtigste ist? Dass du weißt, was du willst. Schließ die Augen, leg deine Hand auf dein Herz, atme tief durch und fühl in dich hinein, ob der friedvolle Weg dich wirklich ruft. Nur das zählt. Wenn es genau so ist und du dir sicher bist, dass dieser Weg der Richtige für dich ist, dann lass dich von den Zweifeln und Befürchtungen nicht mehr aufhalten.

Hör in dich hinein. Dein Herz weiß, welcher Weg der Richtige für dich ist. Der richtige Weg ist aber nicht gleichzeitig auch der leichtere Weg. 

Die Zweifel und Ängste kommen nämlich immer dann, wenn du dich aus deiner gewohnten Komfortzone wagst. Sei mutig und geh trotzdem deinen Weg. Hol dir Unterstützung, wenn du mal nicht weiter weißt. Erschaff dir ein Umfeld, was dich trägt und hinter dir steht. Such dir jemanden mit dem du auch mal über deine Sorgen oder Ängste sprechen kannst. Aber bitte jemanden, der auch diesen Weg geht und dich verstehen kann.

Wie man so schön sagt: You can do it, if you want. Ich hoffe, dass ich dir mit diesem Artikel über die Vorurteile über den friedvollen Weg mit Pferden Klarheit verschaffen und Mut machen konnte. Natürlich freue ich mich, wenn du jetzt wirklich bereit bist, diesen Weg anzutreten. Denk daran, auch ich bin immer da, wenn du Hilfe brauchst oder Inspiration suchst.

Wenn dir der Artikel gefallen oder dich zum Nachdenken angeregt hat, dann hinterlass mir gerne einen Kommentar.

Bis zum nächsten Mal,

Sonja

 

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