Die Angst vor zu wenig Bewegung

Sonja BurgemeisterUncategorizedLeave a Comment

Die HeartHorseJourney ist für viele Menschen und ihre Pferde ein Neuanfang. Die Beziehung wird neu aufgebaut, wo früher noch Zwang angewendet wurde, soll heute Freiheit herrschen.
Doch was passiert, wenn das Pferd plötzlich die Freiheit hat zu wählen? Es sagt Nein. Früher oder später passiert das den Meisten.
Das Problem dabei: Macht das Pferd nicht mehr mit, bekommt es auch deutlich weniger Bewegung - und die Angst vor Bewegungsmangel und dicken, kranken Pferden steigt. Doch das muss nicht sein.

Die Grundvoraussetzung für die Gesundheit des Pferdes ist unter anderem viel freie Bewegung. Vor allem im Schritt bewegen sich freie Pferde grasend vorwärts. Dort wo das Pferd also lebt, sollte so viel Bewegungsfläche und entsprechend Anreize gegeben sein wie nur möglich. Umso kleiner die Fläche ist, desto mehr zusätzliche Bewegung braucht das Pferd.

Das freie Miteinander spielt eine zentrale Rolle beim Beziehungsaufbau nach dem HeartHorseJourney Konzept. Das Pferd hat die Möglichkeit zu wählen, ob es mit dem Menschen zusammen aktiv sein möchte oder nicht - der Mensch kann (seine eigenen Themen erkennen und bearbeiten und) das Miteinander mit dem Pferd neu aufbauen. Je nach Vorgeschichte des Pferdes/Mensch-Pferd Paares dauert das unterschiedlich lang. Nur in seltenen Fällen dauert eine erste neue Annäherung länger als ein paar Tage oder wenige Wochen. Tag für Tag wird die Beziehung weiter aufgebaut und mehr und mehr freie Aktivität wird möglich.

Die Voraussetzung dafür ist, dass wir unser Pferd uns seine Bedürfnisse erkennen. Erkennen, was es gerne macht, was ihm dienlich ist und was nicht. Wir müssen außerdem uns selbst wahrnehmen können um entsprechend auf das Verhalten unseres Pferdes reagieren zu können. Nicht alles lässt sich über die "richtige" Körpersprache lösen. Manchmal tragen wir Themen mit uns herum, die ein Verhalten beim Pferd auslösen, welches wir ganz für uns auflösen müssen bevor es mit dem Pferd weiter geht. Zum Beispiel wenn wir hohe Erwartungen haben, stark manifestierte Überzeugungen, Ängste, ein geringes Selbstbewusstsein und so weiter.

Sobald das Pferd aktiv den Kontakt zum Menschen sucht, können wir dem Pferd ein Halfter anbieten und anfangen mit ihm Spazieren zu gehen. In welchem Umfang das möglich ist hängt davon ab, auf welchem (Beziehungs-)Stand Mensch und Pferd sind. Gibt es keine Kommunikationsschwierigkeiten und der Mensch kann seinen Raum gut wahren, kann das Spazierengehen nach und nach ausgeweitet werden.

Gibt es allerdings Kommunikationsschwierigkeiten, dann sollte noch weiter frei die Beziehung aufgebaut und an der Kommunikation gearbeitet werden (hier ist der Mensch gefragt sich zu schulen). Die Unterstützung durch einen Coach/Trainer online oder offline ist in diesem Fall empfehlenswert. Eine Videoanalyse zum Beispiel gibt sehr genau Aufschluss darüber, woran es hakt/was verändert werden kann um zur nächsten Etappe zu kommen. (Ich biete Videoanalysen und weitere Formen der Unterstützung an - Tipps und Inspiration gebe ich außerdem auch kostenfrei weiter)

Nicht vergessen werden sollte, dass ein friedvolles und freies Miteinander mit dem Pferd nicht bedeutet, dass das Pferd am Seil beim Spazieren den Menschen hinter sich herzieht und ihn spazieren führt. Es geht darum MITEINANDER spazieren zu gehen. Du bist soweit ins Gelände zu gehen, wenn es für dein Pferd okay ist, dass du Entscheidungen triffst für dich und für euch.

Dein Pferd wird nach ein paar Wiederholungen wissen, was es im Gelände erwarten kann - vorausgesetzt du wechselst nicht bei jedem Spaziergang deine Meinung. Damit meine ich inkonsequentes Verhalten - heute darf das Pferd überall selbstständig entscheiden wo es draußen am Seil frei fressen darf und morgen darf es nichts mehr. So bist du unberechenbar. Dein Pferd wird nie wissen, worauf es sich einlässt. Das führt wieder zu Konflikten.

Eine klare Kommunikation ist das A und O, genauso wie das Erkennen der Energie und Körpersprache des Pferdes. Umso später du ein Verhalten erkennst, bzw eine Strategie, desto schwieriger wird es friedvoll zu reagieren. Umso besser du aber dein Pferd erkennst, desto besser kannst du reagieren und die Spaziergänge können ausgebaut werden. In einer Stunde schafft man um die 4 km. 
So kannst du parallel zum weiteren Ausbau der Beziehung und dem freien Miteinander deinem Pferd Bewegung zukommen lassen - bzw mit ihm aktiv sein. Und auch das wird die Beziehung zusätzlich stärken.

HeartHorseJourney ist eine Lebensschule. Eine stete Weiterentwicklung und Selbstschulung ist ein wichtiger Bestandteil dieses Weges. Es gibt Up's genauso wie Down's. Auch das ist Teil der Entwicklung. Aus herausfordernden Situationen gehen wir mit neuem Wissen heraus. Wir dürfen auf diesem Weg mit uns selbst geduldig sein. Uns ausprobieren.

Zum Schluss noch ein Hinweis. Der Weg von jedem Mensch-Pferd Paar ist individuell. Es kann Teil deines Weges sein, dass du dein Pferd doch wieder zwingst sich zu bewegen. Oder es mit vielen Leckerlis trainierst, so dass es sich für dich bewegt, auch wenn es sich ohne nicht mit oder für dich bewegen würde. Ich bin auch immer wieder in alte Muster zurück gegangen. Das hat mir in dem Moment Sicherheit gegeben aber letzten Endes konnte ich immer mehr erkennen, dass es meinen Pferden und unserer Beziehung nicht gut tat. Also bin ich von meinen gewohnten Mustern immer wieder auf den Weg zu einem friedvollen und freien Miteinander zurück gekehrt. So wurde mir immer klarer, dass ich diesen Weg wirklich gehen möchte und das letztendlich mit allen Konsequenzen. Das gehörte zu meinem Weg dazu.

Hab Geduld mit dir, denke außerhalb der gewohnten Pfade. Verändere deinen Blickwinkel wenn du das Gefühl hast festzustecken. Hinterfrage. Hör auf dich und auf das, was dein Pferd dir sagt. Nicht auf die, deren Weg nicht der deine ist. Sei kreativ, entdecke das Miteinander mit deinem Pferd neu. Du und dein Pferd - ihr seid einzigartig. Finde EUREN Weg.

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