Wieso sich Pferde den Menschen zuwenden, die ihnen schaden

Sonja BurgemeisterUncategorizedLeave a Comment

Hast du dich schon mal gefragt, warum sich manche Pferde ihren Menschen immer noch zuwenden, obwohl sie schlecht behandelt werden? Es scheint sogar, als würden diese Pferde Zuneigung zu ihrem Menschen empfinden.

Tatsächlich ist das ein Thema, zu dem ich immer wieder befragt werde. Menschen, die ihren Umgang mit Pferden verändern und ein friedvolles und freies Miteinander aufbauen und leben möchten, beobachten andere Pferdebesitzer dabei wie sie nicht gerade achtsam und respektvoll mit ihren Pferden umgehen - und trotzdem wenden sich deren Pferde nicht wirklich ab.

Das stößt vor allem dann auf, wenn man selbst alles so viel respektvoller macht als bisher - das eigene Pferd aber derzeit eher abgewandt erscheint.

Der neue Weg wird in Frage gestellt und angezweifelt. Gerade am Anfang ist es noch nicht so leicht die Mimik der Pferde im Detail wahrzunehmen und zu deuten, was die ganze Beurteilung der Situation noch erschwert.

Um dir Klarheit und Sicherheit auf deinem Weg zu verschaffen, möchte ich heute meine Theorien dazu mit dir teilen.

UNANGENEHME KONSEQUENZEN

Hauptsächlich liegt es daran, dass die Pferde unangenehme Konsequenzen vermeiden wollen. Das allein ist aber noch nicht alles - es erklärt zwar, warum die Pferde trotzdem mitmachen - nicht aber, warum sie auch außerhalb der expliziten Situation dem Besitzer zugewandt erscheinen.

Durch Zufall bin ich dann während meiner Traumaforschung (bei Pferden) auf eine Theorie gestoßen, welche die Erklärung für diese schlecht nachvollziehbare Haltung des Pferdes seinem Menschen gegenüber sein könnte: Die Doppelbindungstheorie - oder auch als Double bind Theorie bezeichnet.

DIE DOUBLE BIND THEORIE

In dieser Theorie geht es darum, dass der Sender (Mensch) widersprüchlich mit dem Empfänger (in beschriebenen Fall das Pferd) kommuniziert. Das muss nicht immer negative Auswirkungen haben - in diesem Artikel geht es allerdings um die destruktive (zerstörende) Variante des Double bind.

In der destruktiven Variante wird das Pferd vor einen inneren Konflikt gestellt.

Einerseits ist der Mensch die Bezugsperson, die sich liebevoll um das Pferd kümmert und ihm Komfort ermöglichen kann - andererseits tut dieser Mensch Dinge, die für das Pferd unangenehm, beängstigend, schmerzhaft oder demütigend sind. Das Pferd ist verwirrt.

Zwei völlig gegensätzliche Instinkte werden ausgelöst: Der Bindungs- und der Fluchtreflex werden ausgelöst. Das Pferd sucht Nähe zu der Bezugsperson. In der Praxis sieht man dann das Pferd - was gestern noch in der Reithalle malträtiert wurde - auf dem Auslauf zu seinem Menschen laufen und Nähe suchen.

PARADOXER DOUBLE BIND

Natürlich gibt es auch Pferde, die nicht mit dem Fluchtreflex, sondern mit einem Abwehrreflex reagieren.

Nehmen wir als Beispiel ein Pferd, welches gut umsorgt wird aber beim Reiten durch Gebiss und unpassenden Sattel Schmerzen erleidet. Das Pferd schaltet in den Abwehrreflex, bockt. Der Mensch denkt an ein Ungehorsam (wird ja auch konventionell oft so ausgelegt und vermittelt) und bestraft das Pferd mit der Gerte. Egal wofür sich das Pferd entscheidet, es wird immer auf den Schmerz hinauslaufen. Das bezeichnet man als paradoxen Double bind.

Sowohl der "normale" als auch der paradoxe Double bind können zu schweren Traumatisierungen beim Pferd führen. Ob überhaupt und wie schwer eine Traumatisierung eintritt, ist von der Sensibilität jedes einzelnen Pferdes abhängig. (Auf das Thema Traumatisierung gehe ich zum Beispiel hier ein.)

Fazit: Nur weil ein Pferd sich seinem Besitzer zuwendet, spricht es nicht automatisch für eine gesunde, respektvolle oder ganz einfach gesagt gute Beziehung zwischen Pferd und Mensch. Die Double bind Theorie ist für mich nachvollziehbar und einleuchtend und wenn ich an meine Vergangenheit mit Pferden denke, dann fallen mir einige Situationen ein, in denen genau das passiert sein kann.

Doch das was zählt, ist nicht das was wir getan oder zugelassen haben, sondern das, was wir daraus lernen und in der Gegenwart anders machen.

Fallen dir auch Situationen aus deinem Leben mit Pferden ein, in denen die Double bind Theorie aktiv gewesen sein kann? Hast du Gedanken zu meinem Artikel oder diesem Thema, die du gerne teilen möchtest? Dann scroll einfach runter und hinterlasse einen Kommentar. 🙂

Danke fürs lesen! Ich freue mich, wenn du das nächste Mal wieder hier rein schaust.

Deine Sonja

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