So lernst du Nein zu sagen

Sonja BurgemeisterAllgemeine ThemenLeave a Comment

Wenn Pferde Nein sagen, darüber habe ich in meinem Blog schon geschrieben. Doch es gibt noch jemand anderen, der unbedingt Nein sagen können sollte: Du. Das Nein sagen gehört zum Thema Grenzen setzen. Und genau damit haben viele Menschen, vor allem aber Frauen Schwierigkeiten.

Bereits in der Kindheit lernen wir, dass wir Dinge machen müssen. "Du musst da durch." oder "Das macht man halt" führen dazu, dass wir Dinge tun die wir eigentlich nicht tun wollen. "Gib der Tante doch die Hand" kann dazu führen, dass wir Berührungen aushalten. Zeitgleich entsteht aber eine Angst davor, andere zu enttäuschen und wegzustoßen.

NEIN SAGEN = ABLEHNUNG?

Nein sagen bedeutet für viele sich gegen jemanden zu stellen, der sich dann vielleicht abwenden und einen nicht mehr mögen könnte. Wie zum Beispiel die eigenen Eltern, der Partner, Freunde - und das Pferd. Also lassen wir sie (es) nah an uns heran, lassen Dinge mit uns machen, die wir eigentlich nicht wollen. Weil wir Angst davor haben eine Grenze zu setzen oder einfach nicht gelernt haben, wie man das macht. Doch wie wirken wir damit auf unser Gegenüber? Vielleicht sehr offen, zugänglich, ständig hilfsbereit, immer mit dabei. Doch genau das kann zum Verhängnis werden. Menschen die keine Grenzen setzen (können), opfern sich zum Beispiel auf, bis es ihnen selbst schlecht geht. Sie lassen sich ausnutzen, halten Situationen aus, lassen Dinge über sich ergehen. Zu Hause, wenn sie dann für sich sind geht es ihnen schlecht. Und das Pferd spiegelt diese Thematik sehr genau.

PFERDE SPIEGELN DIESES THEMA

Hat dieser beschriebene Mensch ein sehr energetisches und sensibles, eher zurückhaltendes und freundliches Pferd, dann wird die Thematik unter Umständen nicht bemerkt. Genau wie es Menschen gibt, die diese Menschen nicht ausnutzen.

Es gibt aber eben auch noch den Gegenpol. Die Pferde, die sehr nah kommen, rempeln, schnappen, übergriffig werden. Das sind natürlich nur ein paar von sehr vielen weiteren Möglichkeiten, wie sich dieses Thema auf das Pferd auswirken kann.
Reagiert der Mensch darauf nicht weiter, bleibt die Situation wahrscheinlich so wie sie ist und der Mensch wird sich immer wieder schlecht fühlen. Doch reagiert der Mensch über oder bekommt Angst, kann sich das Miteinander immer mehr in einen Kampf und ein Gegeneinander entwickeln. Die Situation spitzt sich zu.

Damit es aber genau dazu nicht kommt, möchte ich dir 4 Tipps mit auf den Weg geben die dir dabei helfen werden das Nein sagen und Grenzen setzen zu lernen. (Falls du dich fragst, was diese Grenze überhaupt bedeutet, dann lies einfach weiter. Wenn du das aber weißt, dann kannst du den nächsten Absatz einfach überspringen und direkt bei Tipp #1 weiterlesen.)

Was ist diese Grenze eigentlich? Die Grenze kannst du dir wie eine Mauer vorstellen, eine physische Grenze also, die dich umgibt. Man nennt diesen Raum zwischen deinem Körper und dieser Mauer Individualraum oder auch Wohlfühl- oder Komfortzone.

Solange niemand in diese Zone hinein kommt, ist alles gut. Doch kommt jemand der Zone näher oder überschreitet die Grenze, dann fühlst du dich bedrängt oder bedroht. Ich nutze dafür immer gerne das Beispiel Supermarkt: Stell dir vor du stehst vor dem hohen Regal mit den Nudeln. im selben Gang taucht plötzlich ein weiterer Supermarktkunde auf und kommt dir immer näher, denn eigentlich wollte auch er gerade zu den Nudeln. Umso näher er dir kommt, desto mehr bekommst du ein Gefühl von Beklommenheit oder Unwohlsein und eventuell das Bedürfnis beiseite zu gehen. Dieser Supermarktkunde kommt deinem Individualraum näher. Ist die Grenze erreicht, "fliehen" wir oder "greifen an".

Aber nicht nur physisch kann ein anderer Mensch deine Grenze überschreiten oder ihr näher kommen, auch physisch. Wenn dir jemand etwas sagt, was dich verletzt zum Beispiel. Es gibt Menschen, die haben sich durch bestimmte Erlebnisse von ihrem Gefühl getrennt und nehmen nicht mehr wahr, wenn ihnen jemand zu nah kommt. Hier kann es schon erforderlich werden, einen entsprechenden Experten aufzusuchen. Aber wie setzt du nun eine Grenze, wie sagst du Nein? Das verrate ich dir in den folgenden Tipps.

Tipp #1 NEIN SAGEN

"Wie jetzt?" magst du dir denken. "Ich will doch wissen, WIE man Nein sagt!". Ja ich weiß und genau das ist einer der besten Tipps, die ich dir mit auf deinen Weg geben kann. Wenn du Schwierigkeiten damit hast Nein zu sagen, dann ist es sinnvoll, wenn du dieses Wort erst einmal aktiv aussprichst - ganz für dich. Denn von diesem Wort hast du ja bisher kaum Gebrauch gemacht. Es ist ungewohnt dieses Wort auszusprechen.

Stell dich einfach mal vor den Spiegel, schau dich an und sag deutlich und laut "NEIN!". Wie fühlt sich das an? Erscheint dir das komisch oder zu schwierig, dann sag es jetzt einfach direkt, mindestens 3 mal hintereinander. Und am Besten übst du dich täglich darin dieses Wort aktiv auszusprechen. Wird immer leichter, versprochen. (Gib mir unbedingt ein Feedback darauf)

Tipp #2 NEIN BENUTZEN

Jetzt musst du natürlich als nächstes lernen, dieses Wort auch einzusetzen, es zu benutzen. Nicht allein in deinem Kämmerlein oder vorm Badezimmerspiegel, sondern bei echten Menschen.

Dich fragt jemand ob du dich mit ihm/ihr triffst? Heute hast du einfach mal keine Zeit und sagst Nein. (Die freie Zeit kannst du wunderbar dafür nutzen um dein neues Buch endlich mal zu lesen oder dir die Nägel zu lackieren. Oder Haarewaschen oder so.) Du kannst natürlich auch softer einsteigen. Dein Partner fragt dich ob du einen bestimmten Film mit ihm schauen möchtest? Deine Antwort. Nein. Dein Kollege will dir seine Arbeit aufs Auge drücken? Nein.

Die Schwierigkeit in dieser Übung liegt darin, mit der Reaktion des Gegenübers fertig zu werden. Du entscheidest nicht, wie sich die Person fühlt. Sie entscheidet sich selbst dafür, wie sie darüber denkt und wie sie reagiert. Du kannst bestimmen was du sendest, doch nicht das, was du zurückbekommst. Ich möchte dich nicht dazu auffordern dein Gegenüber bewusst vor den Kopf zu stoßen, auf keinen Fall. Doch du kannst nicht immer die Verantwortung dafür übernehmen, was andere über dich denken.

Du darfst Nein sagen. Du darfst dir Zeit für dich nehmen. Auch dann, wenn dein Gegenüber darüber traurig ist. Dein Gegenüber hat mehr von dir, wenn es dir gut geht. Wenn du die Dinge machst, die gut für dich sind und dir gut tun. Dir Spaß machen. Du kannst deinem Gegenüber sagen warum du Nein sagst, du musst dich aber nicht komplett erklären und dann doch zustimmen, weil du die Emotion deines Gegenübers nicht aushältst. Wem du wirklich wichtig bist, wer sich wirklich für dich interessiert, der wird dein Nein akzeptieren können. Und wenn es jemand nicht von dir gewohnt ist, dann muss er sich vielleicht auch einfach erstmal daran gewöhnen. Aber du bist kein schlechter Mensch, wenn du mal Nein sagst.

Tipp #3 ENERGIE NUTZEN

Viele Menschen unterschätzen die mentale Kraft = Energie. Dabei ist sie die feinste Form der Kommunikation. Möchtest du ein friedvolles Miteinander mit deinem Pferd leben, dann musst du dich auf dieser Energieebene fit machen. Alles fängt mit einem Gedanken an. Zum Beispiel: "Es ist schön, dass du den Kontakt zu mir suchst, halt aber bitte Abstand!".

Magst du jemanden nicht gerne bei dir haben, dann kannst du den ersten Teil des Satzes natürlich weglassen oder umformulieren: "Ich möchte nicht, dass du näher kommst, halt bitte Abstand." oder auch "HALT ABSTAND!" ohne dabei panisch zu werden. Sei einfach deutlich (vorm Spiegel üben). Der Gedanke bringt dich in eine bestimmte Emotion, je nachdem wie du ihn formuliert hast, entspringt dann deine Energie. Das spiegelt sich in deinem Ausdruck und dein verbales Nein wird klarer.

Tipp #4 KÖRPERSPRACHE NUTZEN

Natürlich kannst du auch mit deinem Körper deine Aussage unterstreichen. Vor allem beim Umgang mit deinem Pferd ist das Zusammenspiel aus Energie und Körpersprache elementar.

Die meisten gehen über etwas Körpersprache und viel über Berührung, dadurch stumpft das Pferd aber ab und die Kommunikation wird weniger fein. Ist deine Energie klar, dein Gedanke spielt in deinem Kopf auf Dauerschleife, dann kannst du deinen Körper nutzen um deinem Gegenüber deutlich zu machen, dass du etwas nicht möchtest. Das kannst du natürlich direkt mal vor dem Spiegel zu Hause üben: Stell dich aufrecht hin. Schau dir in die Augen (Gedankenschleife an) und sag Nein. Nun nimmst du deine Arme mit dazu, streckst beide vor dir aus Richtung Auge deines Spiegelbildes und sagst (während deine Gedankenschleife willensstark im Kopf weiterläuft) Nein. Probier weiter aus, wie du wirkst wenn du deine Körpersprache veränderst. Stell dich mal mehr und mal weniger breitbeinig auf, öffne die Finger, schließe sie, experimentier mit deinem Ausdruck herum.

Wann wirkst du sehr freundlich, wann wirkst du unfreundlich oder vielleicht sogar übertrieben aggressiv? Was macht die veränderte Körperhaltung mit deinem Gefühl?

Am Anfang kann es sein, dass du dich schnell als zu heftig empfindest. Diese Seite kennst du nicht von dir, hast noch alte Glaubenssätze im Kopf, die dich beeinflussen. Mit der Zeit wird es dir aber leichter fallen, versprochen. Vorausgesetzt, du übst dich täglich darin.

Das waren meine 4 Tipps für dich, damit es dir in Zukunft leichter fällt Nein zu sagen und Grenzen zu setzen. Übung macht den Meister, auf, was das Thema im Miteinander mit dir und deinem Pferd angeht. Und statt ihm Nein zu sagen, kannst du ihm ein klares Schhhhh entgegen zischen. Inklusive Gedankenschleife und Körpersprache.

Ich wünsche dir ganz viel Freude beim Üben und Ausprobieren.

Teil diesen Artikel gerne mit Menschen, die genau dieses Thema auch haben und denen die Tipps helfen könnten. Und natürlich freue ich mich sehr auf einen Kommentar von dir. Schließlich möchte ich wissen, wie gut dir diese Tipps geholfen haben. Und vielleicht hast du ja auch noch weitere Tipps, die du mit der Community teilen magst.

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