Die Bedeutung der ersten Begegnung

Sonja BurgemeisterAllgemeine Themen, UncategorizedLeave a Comment

Früher habe ich mir kaum Gedanken über die erste Begegnung mit einem Pferd gemacht. Mit Respekt aber voller Liebe bin ich recht schnell ans Pferd herangetreten und habe es auch schon bald berührt. Welche Bedeutung die erste Berührung aber für Mensch und Pferd tatsächlich hat, durfte ich erstmals so richtig bewusst mit Linus erleben.

Linus ist ein kleiner fuchsfarbener Isländerwallach. Er ist unglaublich niedlich und auch genau so skeptisch. Dieses skeptische Verhalten gehört zu seinem Grundcharakter. Doch zu diesem angeborenen Charakterzug kamen schlechte Erfahrungen mit Menschen. Als ich ihn kennen lernte, ließ er Menschen kaum an sich heran, vor allem nicht wenn dieser Mensch ein Halfter oder ähnliches in der Hand hatte. Dieser kleine Ponymann zog mich magisch an und ich hatte das Glück, dass ich auf meine Art und Weise mit ihm arbeiten durfte.

Nichts tun, nur atmen und sein

Alles fing auf der Weide an. Schon bevor ich drauf stand, schaute Linus mir unsicher und skeptisch entgegen, bereit, die Flucht zu ergreifen falls nötig. Aber ich blieb dort auf einige Meter Distanz erst einmal stehen und tat nichts, außer zu atmen. Nach einer Weile schien er zu verstehen, dass von mir momentan keine Gefahr ausging und er begann wieder zu grasen. Immer mit mindestens einem Auge in meine Richtung schielend.

Nun fing ich langsam an über die Wiese zu gehen. Nicht wie ein Mensch der etwas im Schilde führt. Ich hatte überhaupt keine Erwartungen und war einfach nur neugierig auf diesen hübschen jungen Wallach. Und genau so verhielt ich mich auch. Ich behielt ihn immer wieder nebenbei im Blick und lief dabei einfach ruhig über die Weide, blieb ab und an mal stehen, atmete einfach mal tief durch und genoss den Moment der Ruhe an diesem wundervollen grünen Ort.

Nach einiger Zeit bot ich ihm das erste Mal eine richtige (Blick-)kontaktaufnahme an. Ich streckte ihm meine Hand entgegen, er schaute auf und streckte die Nase in meine Richtung. Innerlich bedankte ich mich von Herzen bei ihm für dieses Geschenk und entfernte mich wieder von ihm. Er beobachtete mich und jede unserer Reaktionen war eine Antwort auf das Verhalten und die Energie des anderen.

Bewusster Einsatz von Körper und Energie

So wiederholte ich es noch einige Male, bis ich irgendwann auf wenige Meter an ihn herangetreten war. Ich streckte meine Hand noch einmal in seine Richtung aus und er streckte seine Nase in meine Richtung als Antwort. Noch einen weiteren Meter ging ich an ihn ran, in aller Ruhe und in vollem Körper- und Energiebewusstsein. Ich wiederholte mein Angebot der Kontaktaufnahme und da kam er das erste Mal einen Schritt in meine Richtung und schnupperte vorsichtig aber sehr neugierig an meiner Hand. Innerlich jubelte ich vor Dankbarkeit, dafür, dass er mir in diesem Moment so ein Vertrauen geschenkt hatte. An diesem Punkt unserer ersten Begegnung drehte ich mich um und verließ die Weide, genau so ruhig, wie ich gestartet hatte. Linus stand wie angewurzelt da und schaute mir hinterher. Als könne er selbst nicht glauben, was da gerade passiert war.

Und genau da habe ich begriffen, was für eine hohe Bedeutung die erste Begegnung hat. Denn in dieser ersten Begegnung macht sich das Pferd von uns zum ersten Mal ein Bild. Und der erste Eindruck zählt. Alles, was wir dort "vergeigen", müssen wir anschließend (mehr oder weniger mühsam) neu aufbauen und korrigieren.

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Eine der ersten Begegnungen mit Linus

Frag dich selbst immer bevor du einem Pferd oder auch deinem Pferd begegnest (das kannst du wirklich jeden Tag aufs Neue machen), wie dein Pferd dich wahrnehmen soll. Wer und wie möchtest du für dein Pferd sein? Ein selbstsicherer, achtsamer und respektvoller Partner oder ein ungeduldiger, unachtsamer und übergehender Einbrecher? Du entscheidest, wie dein Pferd dich wahrnimmt - jeden Tag aufs Neue.

Deine Wirkung auf dein Pferd

Eine besonders hilfreiche Übung dafür ist folgende: Wechsle die Perspektive! Stell dir vor, du bist dein Pferd. Fühl dich so richtig in den Körper deines eigenen Pferdes ein. Und nun beobachte dich aus der Perspektive deines Pferdes. Wie wirkst du auf dich? Was empfindest du als angenehm, was als unangenehm.

Dieser Perspektivenwechsel hilft dir dabei, das Verhalten deines Pferdes auf dich zu verstehen und ermöglicht dir auf recht einfache Weise, bestimmte Probleme im Miteinander selbstständig zu entdecken.

Die erste Begegnung kann Türen öffnen - oder verschließen

Die bewusste erste Begegnung mit Linus hat mir die Tür zu einer ganz besonders intensiven Pferd-Mensch Beziehung geöffnet. Wäre ich unachtsamer und konventionell vorgegangen, hätten wir einen schlechteren Start gehabt und vielleicht hätte ich ihn dann auch niemals übernommen.

Aber auch, wenn die erste Begegnung mit deinem Pferd schon ein Weilchen zurückliegt, so möchte ich dich dazu einladen, deine tägliche erste Begegnung mit deinem Pferd einmal bewusst zu reflektieren. Und dann entscheide, wer du für dein Pferd sein möchtest, wie dich dein Pferd wahrnehmen soll.

Berichte mir gerne davon, wie du die erste Begegnung mit deinem Pferd war. Ich wünsche dir eine unglaublich tolle und harmonische Zeit mit deinem Pferd.

Alles liebe, Sonja

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