Gedanken zur Konditionierung von Pferden

Sonja BurgemeisterUncategorizedLeave a Comment

Konditionierung

Der Begriff Konditionierung löst in mir verschiedene Emotionen aus. In meiner Vergangenheit habe ich gezielt konditioniert, um mein Pferd zu einem bestimmten von mir gewünschten Verhalten zu bringen. Doch genau das fühlte sich zum Schluss überhaupt nicht mehr richtig an und ich beendete die gezielte Konditionierung. Oder nicht? In diesem Artikel möchte ich meine Gedanken zur Konditionierung im Zusammenhang mit dem Pferd und der HeartHorseJourney mit dir teilen. (Wenn dir die Bedeutung von klassischer und operanter Konditionierung klar ist, kann du den Teil überspringen. Klick einfach hier.)

Was bedeutet Konditionierung?

Konditionierung ist eine natürliche Lernform, bei der z.B. ein Pferd auf einen bestimmten Reiz reagiert. Ein Beispiel dafür ist die Stromzaunsituation: Impuls des Zauns an der Pferdenase = Reiz, Weglaufen des Pferdes = Reaktion. Das Pferd lernt in diesem Moment, dass das Berühren des Zauns unangenehm ist und wird ihn entweder direkt oder nach ein paar weiteren Impulsen nicht mehr berühren. Unterschieden wird dabei in klassische und operante Konditionierung.

Klassische Konditionierung

Bei der klassischen Konditionierung hat das Pferd (und natürliche auch andere Lebewesen) keine Kontrolle über den Reiz oder die bei ihm ausgelöste Reaktion. Das bekannteste Beispiel dafür ist das Experiment mit Hunden von Iwan Petrowitsch Pawlow. Während seiner Experimente zum Thema Speichelsekretion stellte er bei den Hunden mit denen er schon länger experimentierte fest, dass sie bereits vor Beginn des Experiments stärker zu speicheln begannen. Er wollte herausfinden warum das so ist und läutete vor dem Füttern jedes Mal eine Glocke. Das tat er über längere Zeit und die Hunde begannen dann schon bei dem Glockenläuten zu speicheln, obwohl sie das Futter weder sahen, noch rochen. Bei den Hunden hatte allein die Verknüpfung gereicht, um das Speicheln einzuleiten. Der Reiz, also das Läuten der Glocke hat für die Hunde plötzlich eine Bedeutung bekommen, die nur durch den Zusammenhang mit der Erwartung auf Futter entstanden ist. Das Speicheln entwickelt sich also durch eine Erwartungshaltung.

Operante Konditionierung

Operante Konditionierung beschreibt Lernen durch Belohnung oder Strafe. Das bedeutet, dass ein Verhalten durch eine Konsequenz nachhaltig beeinflusst wird. Dabei wird unterschieden zwischen positiver und negativer Verstärkung (dadurch wird ein Verhalten mehr gezeigt) und positiver und negativer Strafe (dadurch wird ein Verhalten weniger bis gar nicht mehr gezeigt). Besonders bekannt ist das Training mit negativer Verstärkung im Bereich Horsemanship und das Training mit positiver Verstärkung beim Clickertraining. Aber auch wenn man sich nicht zu einem dieser beiden Methoden zugehörig fühlt, wird beides im normalen Umgang vorkommen. Allerdings sollte der positiven Verstärkung deutlich der Vorrang gegeben werden, da die negative Verstärkung in der Regel mit physischem und psychischen Unwohlsein einhergeht. Was nicht bedeutet, dass die positive Verstärkung nicht auch Unwohlsein auslösen kann. Nämlich dann, wenn das Pferd überfordert wird.

Ich setze keine der beiden Formen als Technik ein. Stattdessen ergibt es sich aus dem Miteinander und der Situation. Aber wie gesagt, die Anwendung von positiver Verstärkung sollte stets zum Wohle des Pferdes Priorität haben.

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Konditionierung ist lebensnotwendig

Konditionierung ist etwas Natürliches und sehr Wichtiges und kann im Zusammensein mit dem Pferd deshalb auch nicht ausgeschaltet werden. Denn die Konditionierung passiert nicht nur dann, wenn wir sie bewusst einleiten. Denn auch in der Freiheit ohne den Menschen findet Konditionierung statt. Ohne Konditionierung würden wir und auch die Pferde immer wieder dieselben Dinge tun, ohne daraus zu lernen. Zum Beispiel würden wir jedes Mal wieder auf die heiße Herdplatte fassen oder das Pferd würde immer wieder vom Puma gebissen werden, weil es einfach nicht flüchtet. Konditionierung macht also grundsätzlich viel Sinn.

Das Warum macht den Unterschied - vor allem für das Pferd

In meinem Weltbild mit Pferden war der Begriff Konditionierung ganz klar negativ behaftet, weil ich damit unangenehme Gedankenbilder verknüpfe. Das Gefühl, mein Pferd für meinen Nutzen zu konditionieren, widerstrebt mir. Aus diesem Grund weise ich wohl auch immer wieder darauf hin, dass in der HeartHorseJourney nicht gezielt konditioniert wird. Doch das ist nicht ganz korrekt und das ist mir erst im Laufe der letzten Wochen wirklich noch mal bewusst geworden. Ich konditioniere auch weiterhin. Aber was sich verändert hat – und das ist für mich persönlich ausschlaggebend – ist das WARUM.

Ich konditioniere nicht mehr, damit ich das Pferd benutzen kann, damit es funktioniert oder damit ich es kontrollieren kann. Das ist für mich der entscheidende Punkt. Auch in den verschiedenen Trainingsmethoden und Systemen ist das das Ziel aber die Kontrolle und das Funktionieren stehen in der Regel als Bedingung davor. In der Regel mit einer guten Absicht oder aus nachvollziehbaren Gründen. Zum Beispiel, dass das Pferd sich kontrollieren lässt weil man Angst vor Kontrollverlust oder Verletzung hat. Doch dabei rückt das Pferd selbst schnell in den Hintergrund und wird kaum mehr in seinen Bedürfnissen und Empfindungen wahrgenommen. Doch das ist für das Pferd sehr wichtig um sich gut fühlen zu können. Um sich mit dem Menschen auch überhaupt verbinden zu wollen. Denn die Verknüpfung mit dem Menschen, nicht wahrgenommen zu werden führt eher zu einer Abgrenzung des Pferdes und nicht zu einer tieferen Verbindung. Stell dir vor dein Freund formt dich, sagt dir wie du dich ernähren und kleiden sollst, damit du gut in sein Weltbild passt. Wenn das nicht das ist, was du möchtest und wenn du dich nicht wahrgenommen fühlst, dann wirst auch du dich abschotten und dich von ihm eher distanzieren. Du fühlst dich nicht gesehen oder verstanden. Und genau so geht es auch dem Pferd.

Also habe ich mir die Frage gestellt, ob es nicht auch andere Wege gibt, bei denen das Pferd wieder in den Fokus rückt und seine Bedürfnisse und Empfindungen wahrgenommen werden können. Und die Antworten darauf haben mich auf den Weg gebracht, den ich jetzt gehe, den Weg der HeartHorseJourney. Denn statt das Pferd zum Beispiel aus Angst kontrollieren zu wollen, kann ich mich damit auseinandersetzen, warum ich Angst habe und was hinter dieser Angst steckt. Die Veränderung dadruch im Menschen wird sich direkt auf das Pferd auswirken und sein Verhalten wird sich verändern. Verändert sich der Reiz, verändert sich die Reaktion.

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Mein persönliches Fazit zur Konditionierung

Konditionierung ist da. Immer. Dem Pferd kann es damit besser oder schlechter gehen, das ist abhängig vom Warum und der Umsetzung des Menschen. Wir haben es in der Hand, wie und wofür wir sie einsetzen. In der HeartHorseJourney setzen wir es ein, um dem Pferd ein gutes Leben zu ermöglichen. Der Schlüssel ist hier aus meiner Sicht das Wahrnehmen des Pferdes. Und zwar so wie es ist und nicht so, wie wir es gerne hätten. Es gibt Pferde, für die ist es okay geritten zu werden. Für andere nicht. Manche Pferde bewegen sich gerne und viel und präsentieren sich, andere nicht. So wie jeder von uns andere Bedürfnisse und Wünsche hat, andere Gedanken und Energien, ist es auch bei den Pferden. Wenn wir das Pferd wahrnehmen, dann können wir Konditionierung so einsetzen, dass es für das Pferd ist. Zum Beispiel damit es lernt, dass das Leben mit uns eine Bereicherung sein kann. Denn auch das ist Konditionierung.

Und aus diesem Blickwinkel erstrahlt sie für mich wieder in einem wunderschönen und hellen Licht.

Deine Sonja

Ps: Schreib mir deine Gedanken dazu gerne in die Kommentare. 

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