Traumatisierte Pferde

Sonja BurgemeisterUncategorized2 Comments

Traumatisierte

Mit leeren Augen und hängendem Kopf steht der braune Wallach in der Halle. Und doch, obwohl man dieses Pferd mit den Augen sehen kann, ist es nicht da. Nur noch ein Schatten seines ehemals so majestätischen Selbst steht dort im weiten Raum. Er flüchtet sich in seine eigene Welt, die er sich zum Schutz vor Überforderung, weiteren Schmerzen und Erniedrigung aufgebaut hat. Damals, als er nicht gut genug war. Als er nicht das gemacht hat, was der Mensch von ihm forderte. Man schlug ihn, prügelte auf ihn ein, benutzte und missbrauchte ihn. Irgendwann hörte er auf zu kämpfen, auch wenn die Gewalt nicht nachließ. Er hatte keine Kraft mehr, keine Ahnung was er hätte machen sollen, um diesem Leid und der Willkür seines Besitzers zu entkommen. Das was ihm blieb, war seine eigene Welt aufzubauen, in die er sich zurückzog wenn es wieder los ging und die schmerzhaften Hiebe auf seiner bereits geschwollenen Kruppe noch stärker wurden…..

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Diese Geschichte ist leider genau so passiert. Und jetzt in diesem Moment in dem ich diesen Text schreibe, rollen mir Tränen über mein Gesicht. Ich bin immer noch fassungslos wenn ich daran denke, was diesem Pferd, seiner Seele angetan wurde. Und doch ist das kein Einzelfall. Es ist nur eines von vielen Schicksalen, sicher auch eins der schlimmsten. Doch es braucht nicht immer körperliche Gewalt, um ein Pferd zu traumatisieren. Leider wissen zu wenig Menschen, dass bereits ein langjähriges Benutzen von Pferden für die eigenen Bedürfnisse und psychische Gewalt zu einer nachhaltigen Traumatisierung führen können.

Es gibt viele Trainingsmethoden bei denen es darum geht, dass das Pferd für den Menschen kontrollierbar wird. Und einige davon haben sich auf die Fahne geschrieben, eine Freundschaft zwischen Mensch und Pferd aufzubauen, doch bei genauer Betrachtung geht es dabei nicht um eine wirkliche Freundschaft. Denn wie kann eine Freundschaft entstehen oder sogar vertrauen aufgebaut werden, indem mit dem Pferd so umgegangen wird, dass es die Wahl hat zwischen mitmachen und unangenehme Konsequenz bekommen? In meinem Verständnis hat das weder mit Freundschaft, noch Vertrauensaufbau zu tun. Die Absicht dieser Methoden ist löblich, doch bei der Umsetzung kommt ein völlig anderes Ergebnis heraus, als versprochen wird. Unter diesem Deckmantel, auf den unglaublich viele Menschen reinfallen, wird ein riesen Geschäft auf dem Leid der Pferde aufgebaut. Die Menschen sehen, was ihnen Glauben gemacht wird.

Bei diesen Trainingsmethoden werden Pferde langsam strategisch zum Funktionieren gebracht, während die Besitzer glauben, dass sie eine wundervolle Beziehung aufbauen. Natürlich, denn die Pferde machen ja mit. Meist wesentlich „besser“, als vorher.

Die Menschen werden bei der Ausübung dieser Methoden durchaus klarer für das Pferd, weil sich zumindest an gewisse Abläufe halten können, doch dabei müssen die Pferde auf das menschliche Niveau an Körpersprache heruntergeholt werden.

Wer möchte ein Pferd an seiner Seite haben das mitmacht, weil es etwas unangenehmes vermeiden möchte? Welche Trainingsmethode würde sich gut verkaufen, wenn die Wahrheit so kommuniziert werden würde? Stattdessen wird schön geredet und weggesehen. Doch hier ist nichts, was schön geredet werden darf! 

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Wie viel notwendig ist um bei dem einzelnen Pferd zu einer Traumatisierung zu führen, ist unterschiedlich. Bei einem Pferd reicht ein Erlebnis aus, bei einem anderen entsteht es durch jahrelangen Missbrauch.

Die Reaktionen eines stark psychisch traumatisierten Pferdes können unterschiedlich stark sein. Viele traumatisierte Pferde ziehen sich in sich selbst zurück oder zeigen starkes Abwehrverhalten. So oder so ist es der Versuch sich zu schützen. So hat das kämpfende Pferd eher eine Chance gesehen zu werden als das still leidende. Doch wird das kämpfende Pferd dann wahrgenommen in seinem Schmerz, wird es ebenfalls still werden und in sich zusammenfallen, sobald es sich anfängt zu öffnen. Es wird seinen ganzen Schmerz teilen, ebenso wie das still leidende Pferd. Und dieser Schmerz ist markerschütternd, denn in diesem Moment strömt diese Trauer und Verzweiflung des Pferdes nach außen und berührt die Menschen, die diesem Moment beiwohnen dürfen. Ich habe solche Momente schon viele Male erlebt und jedes Mal berühren sie mich zutiefst. Pferde stehen in meinem Herzen für Anmut, Kraft und Stolz. Doch dann stehe ich neben einem Pferd, bei dem nichts von all dem mehr zu sehen ist. Ein gebrochenes, verschlossenes Pferd, Schatten seines Selbst.

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Zum Glück für die Pferde gibt es immer mehr Menschen, die bereit sind umzudenken und sich ehrlich damit auseinandersetzen, wie Vertrauen entstehen kann. Vor allem was es braucht, um gewaltfrei mit einem Pferd umzugehen und eine respektvolle Beziehung mit ihm aufzubauen. Dieser Weg ist sicher nicht der leichtere Weg, doch ganz bestimmt einer, der die Würde und den Stolz des Pferdes aufrecht erhält. Ein Weg, bei dem der Mensch in den Spiegel Pferd sehen darf um zu erkennen, warum sein Pferd sich auf eine bestimmte Art und Weise verhält. Und arbeitet der Mensch dann an seinen Themen, verändert sich auch das Verhalten des Pferdes. Nicht nur viele Menschen sind traumatisiert, traurig oder wütend. Auch wir Menschen haben ordentlich Gepäck, was uns die Pferde mit ihrem Verhalten meist überdeutlich zu verstehen geben, wenn wir ihnen die Möglichkeit geben. Erst wenn wir anfangen uns selbst zu heilen, können wir auch unsere Pferde heilen.

Und nicht nur Heilung ist wichtig, sondern vor allem Vorbeugung und Aufklärung. Teile diesen Artikel gerne mit deinen Freunden (z.B. auf Facebook) und hilf mit, die Welt der Pferde ein Stückchen besser zu machen <3 Ich danke dir für deine Unterstützung!

Deine Sonja

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2 Comments on “Traumatisierte Pferde”

  1. Liebe Sonja,
    ein Artikel der mir aus dem Herzen spricht! Es gibt immer noch viele Menschen, die es offenbar nicht erkennen, wenn ihnen ein traumatisiertes, innerlich totes Pferd gegenübersteht. Stattdessen gelten genau diese Seelen als “bombensicher” und wechseln nicht selten für gutes Geld zwischen ihren Besitzern hin und her. Aber ich erfahre am eigenen Leib dass es ebenso ein großes Umdenken gibt. Gruppen entstehen, Freundschaften schließen sich und ein neuer Austausch findet statt zum Wohle der Pferde. Es ist im Wandel, es ist nur eine Frage der Zeit. Ich glaube fest daran, dass die neuen Wege auf dem Vormarsch sind. Umso schöner, dass du ein Teil davon bist!
    Von Herzen alles Gute weiterhin wünschen wir dir!
    Jana und Anni

    1. Liebe Jana, liebe Anni,

      vielen Dank für eure Gedanken zu meinem Blogartikel. Genau so nehme ich es auch wahr, viele Menschen suchen nach einer immer friedlicheren Möglichkeit, eine Beziehung mit ihren Pferden aufzubauen, bzw. mit ihnen umzugehen. Durch euren Blog weiß ich, dass ihr eben solche Menschen seid und das freut mich besonders.
      Alles Gute auch für euch und macht weiter so!

      Alles liebe,
      Sonja

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