Der Weg zu einer tiefen Verbindung zwischen dir und deinem Pferd

Sonja BurgemeisterUncategorized2 Comments

Verbindung

In den letzten Monaten habe ich unzählige Menschen kennengelernt, die auf der Suche nach einem neuen Weg für sich und ihr Pferd sind. Sie fühlen sich in den konventionellen Methoden nicht (mehr) wohl, finden keine wirkliche Verbindung zu ihren Pferden. Sie wünschen sich, dass ihr Pferd mit ihnen zusammenarbeitet, ohne dass sie Druck oder Leckerli dafür einsetzen müssen. Diese Menschen wünschen sich, dass ihr Pferd mit ihnen zusammenarbeitet, weil es sie gern hat.  

Doch ist das überhaupt möglich? Und wenn ja, auf welchem Weg?

Eigentlich sollte hier jetzt eine Auflistung der verschiedenen Methoden und Reitweisen stehen und was dort mit den Pferden mehr oder weniger passiert. Doch das fühlte sich nicht richtig an und ich löschte diese Absätze wieder. Stattdessen möchte ich direkt auf die Fragen eingehen, die ich eben gestellt habe.

Ja, es ist möglich. Es gibt sogar einige Pferdemenschen, die diese Wege schon seit längerer Zeit verfolgen und die Erfahrungen daraus weitergeben. Durch glückliche Umstände bin ich auf diese Menschen gestoßen, genau zu dem Zeitpunkt als ich ebenfalls auf der Suche nach anderen Möglichkeiten des Umgangs mit Pferden war. Und so passiert es auch dir gerade, indem du diesen Artikel liest. So ähnlich bin ich nämlich damals auch auf diese Menschen gestoßen oder besser gesagt auf diese Wege, die eine so tiefe Verbindung zu den Pferden ermöglichen.

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Bei mir änderte sich der gesamte Umgang mit dem Pferd nicht plötzlich von heut auf morgen. Es entwickelte sich viel mehr über einen jahrelangen Zeitraum. Mühsam suchte ich mir hier und da die einzelnen Puzzleteile heraus die heute das Ganze ergeben. Deswegen hab ich es mir zur Aufgabe gemacht, dir diese mühsame Suche zu ersparen und dich mit Wissen und meinen Erfahrungen bestmöglich zu versorgen und deine Fragen zu beantworten. Doch ich will jetzt nicht so weit abschweifen, denn schließlich möchte ich dir erklären, auf welchem Weg es möglich ist wirklich mit einem Pferd zusammenzuarbeiten, weil es das von sich aus gerne möchte.

Zuerst sei gesagt, dass dieser Weg sicher nicht einfacher oder leichter ist als jeder andere. Auf jedem Weg gibt es Hürden und unwegsames Gelände, das überwunden und durchdrungen werden muss. Ich nenne das ganz einfach Entwicklung. Es gibt natürlich Menschen, die sich durch diese „Grenzen“ vom Weg wieder abbringen lassen oder die einfach zurückgehen. Aber es gibt eben auch diejenigen, die sich nicht abbringen lassen und tapfer und erhobenen Hauptes diese Schwierigkeiten meistern und hinter sich lassen.

Um überhaupt auf diesen Weg zu kommen musst du ein paar Dinge ablegen. Du nimmst auf eine lange Wanderung ja auch nichts mit, was du nicht benötigst und was dir das Gehen erschwert.

„Benutzen“, „Funktionieren“ und „Kontrolle“ sind drei Dinge, die sich nicht mit diesem Weg vereinbaren lassen. Du kannst sie dir vorstellen wie dicke Trennwände zwischen dir und deinem Pferd. Sie halten euch voneinander fern, denn sie passen nicht zum Wort „Zusammenarbeiten“. Wie zwei gleiche Pole, die sich abstoßen und ständig auf Distanz halten. Vielleicht denkst du, dass du dein Pferd weder benutzt, es kontrollierst oder es funktionieren muss. Aber schau vielleicht noch einmal genau hin. Hinterfrag dein momentanes Tun kritisch. Warum reitest du dein Pferd? Weil du dich dann so frei fühlst? Wie fühlt sich dein Pferd dabei? Kannst du zu 100 % behaupten, dass es sich genauso frei fühlt? Oder benutzt du es eher, um dein Bedürfnis nach Freiheit zu stillen? Wenn du mit deinem Pferd am Knotenhalfter und Seil „spielst“, die Hinterhand wegschickst, es rückwärts gehen lässt und um dich herum kreiseln, ohne dass du mit gehst, geht es dabei nicht darum, dass dein Pferd kontrollierbar wird? Glaubst du, dass es deinem Pferd Freude macht? Wenn es mehr Druck zu erwarten hat wenn es etwas nicht oder nicht schnell genug macht, hat das dann nicht eher mit funktionieren zu tun?

Macht das was du von deinem Pferd verlangst überhaupt Sinn in seinen Augen und was bezweckst du damit? Formst du dein Pferd um es besser reiten zu können, damit es keine Schäden dabei erleidet oder machst du es, weil dein Pferd wirklich davon profitiert? Braucht dein Pferd wirklich viel Abwechslung oder ist es einfach nur unmotiviert weil es keinen Sinn in den Dingen sieht die du von ihm erwartest? Mir wurde damals bewusst, dass mein Pferd zwar alles machte aber wirklich nicht aus Spaß an der Sache sondern weil es sein Job war. Motivation durch Gerteneinsatz? Wirklich? Wie blind war ich früher. Motivier dein Pferd, in dem du es mit der Gerte antickst. Sorry, das ist keine Motivation sondern Zwang. Egal wie lieb es gemeint ist. Bezahlung mit Leckerli? Möchte ich ein Arbeitsverhältnis zwischen mir und meinem Pferd? Nein. Dann ist das Zahlungsmodell aus meiner Sicht auch nicht der richtige Ansatz.

Das Pferd wird nur dann um deinetwillen etwas mit dir machen, wenn du es wert bist. Wenn es Sinn in dem sieht was du anbietest und es das dann auch noch gerne machen möchte. Andernfalls wirst du immer dazu gezwungen sein, Hilfsmittel einzusetzen.

Nimm Anlauf und spring über diese Hürde, wenn du immer noch der festen Überzeugung bist, diesen Weg gehen zu wollen (tschakka, da schaffst du!).

Nun stehst du da, hast die erste große Hürde überwunden. Und nun? Wie soll es jetzt weiter gehen? Vor dir liegt ein Pfad im dichten Nebel. „Komm,  ich zeige dir den Weg“, flüstert dir dein Pferd zu. Das ist es, dein Pferd wird dir den weiteren Weg vorgeben. Klar ist aber, dass du so ziemlich alles über den Haufen werfen wirst, was du bisher mit deinem Pferd getan hast. Plötzlich ergibt nämlich kaum etwas mehr Sinn. Das, was du früher gefeiert hast ist nun wertlos, denn da machte das Pferd etwas für dich, entweder weil es dafür etwas bekommen hat oder weil es dem mehr werdenden Druck entgehen wollte. Es ist also notwendig, völlig neu an die Sache heranzugehen.

Wenn du nun anfängst deinem Pferd zuzuhören, es nicht mehr unter Druck setzt um etwas von ihm zu bekommen oder es nicht mehr gezielt mit Leckerli dazu bringst etwas für dich zu tun, dann wirst du recht bald feststellen, dass es zu ziemlich vielen Dingen gar keine Lust hast. Denn schließlich ging es bei den meisten Sachen die du mit ihm gemacht hast darum, dass es etwas für dich macht. Dass es deine Bedürfnisse befriedigt und die Dinge mit dir macht, die dir Spaß machen. Es ist an der Zeit, mal etwas für oder besser gesagt mit deinem Pferd zu machen.

Das, was dein Pferd am besten kann ist Sein. Im Moment leben und…leben. That´s it! Du gesellst dich also einfach zu deinem Pferd und bist bei ihm. Willst nichts von ihm, musst es nicht beschäftigen sondern leistest einfach Gesellschaft. Je nachdem wie die Beziehung bisher zu deinem Pferd war, wird es auf dich reagieren. Vielleicht sucht es sofort den Kontakt zu dir, vielleicht aber auch für die nächsten Tage überhaupt keinen mehr. Sucht es gezielt den Kontakt zu dir, dann pass auf, dass du nicht in die Falle tappst und wieder anfängst es zu irgendetwas zu animieren.

Mal gar nichts tun scheint für viele Menschen eine riesige Aufgabe zu sein. Denn eigentlich wird von uns ja auch immer was erwartet und die Zeit beim Pferd muss man doch auch nutzen. Aber glaub mir, viel besser kannst du die Zeit momentan gar nicht verbringen als einfach nur mit deinem Pferd zu sein. Gerade aus diesen Situationen ergeben sich oft die magischsten Momente. Ignoriert dich dein Pferd hingegen, dann nimm es so hin wie es ist. Es mag sein, dass sich dann Gefühle in dir entwickeln, die du nur schlecht aushalten kannst aber auch die sind Teil des Weges und deine kleine oder große Hürde, die es zu überwinden gilt. Vielmehr als eine Hürde ist es für viele so verworren, wie ein dichter Dschungel. So viele Emotionen fallen über einen her, das Gefühl von Ablehnung, Selbstzweifel, Verunsicherung. Man hat das Gefühl, alles ist verloren, nichts geht mehr weiter. Und doch, genau das tut es. Dein Pferd bekommt von dir die Gelegenheit, von sich aus auf dich zuzugehen, den Kontakt von sich aus zu suchen. Es wird so sein, als wäre da ein Blatt weißen Papiers und dein Pferd darf den ersten Strich malen. Dann machst du den nächsten Strich und so wird es immer weiter gehen. Es ist ein Anfang. Der Anfang eines langen, nie endenden Weges. Doch es geht immer weiter bergauf. Du wirst wundervolle Momente erleben, wirst deine eigenen Themen erkennen und bearbeiten können und gestärkt mit deinem Pferd aus jeder „Prüfung“ hervorgehen. Hier möchte ich mit meinem Lieblingszitat abschließen.

"Wenn du diesen Weg gehst, wird sich sehr vieles verändern. Deine Sicht auf die Welt der Pferde wird eine Neue sein. Und wenn du einmal an diesen Punkt kommst, an dem du die Dinge anders siehst, wirst du nicht mehr zurück können. Aber du wirst es auch nicht mehr wollen."

Sonja Burgemeister - Liberty Balance Training
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2 Comments on “Der Weg zu einer tiefen Verbindung zwischen dir und deinem Pferd”

  1. Liebe Sonja, ein toller Artikel. Ich kenne diesen Weg sehr gut von dem du schreibst. Und auch wenn es Höhen und Tiefen gibt, es lohnt sich! Die Magie, die zwischen Mensch und Pferd entstehen kann ist so unbeschreiblich schön.

  2. Liebe Sonja, dass ist ein wunderschöner Artikel. Genauso ist es. Mehr muss man dazu nicht sagen. Du sprichst bestimmt viele Menschen an damit.

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