Spazieren mit Pferden

Sonja BurgemeisterUncategorized2 Comments

Spazieren gehen mit Pferden ist etwas ganz tolles. Die Bindung und Beziehung von Mensch und Pferd wird durch das Verbringen von gemeinsamer Zeit (ohne Erwartungen) stärker. Die Bewegung fördert den Muskelaufbau, stärkt das Herz-Kreislauf-System und hilft dadurch bei der Gesunderhaltung. Durch die Umweltreize wird das Pferd geistig gefordert und ausgelastet und dadurch insgesamt gelassener. Auch die Hufe des Pferdes profitieren von Spaziergängen im Gelände. Durch die unterschiedlichen Böden wird der Hufmechanismus gefordert und das Hufwachstum und die Hufstruktur verbessert sich. Der Spaziergang im Gelände ist also die eierlegende Wollmilchsau. 

Bis ich Nero bekam, hatte ich unheimlich Spaß am Spazierengehen. Oft bin ich stundenlang durchs Gelände gestreift und habe in dieser Zeit mit meinem Pony richtige Abenteuer erlebt. Ich erinnere mich an diese Zeit unheimlich gerne zurück. Als Kind oder Jugendliche war man unbefangen, hat sich keine großen Gedanken gemacht, ob irgendetwas passieren könnte. Auch als Nero in mein Leben trat war das so. Als er ungefähr 7 oder 8 Monate alt war, ging ich auch mit ihm spazieren. Doch mit Beginn der pubertären Phase änderte sich sein Verhalten. Und damit auch schlagartig meine Empfindung, wenn ich ins Gelände gehen wollte. 

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Nero fand draußen im Gelände sein großartig. So großartig, dass er statt spazieren zu gehen lieber tobte. Alles was ich bis zu diesem Zeitpunkt über Pferdeerziehung und Ausbildung zu wissen glaubte, brachte überhaupt keine Veränderung. Die Spaziergänge sahen so aus, dass ein halbstarker Tinkermann pausenlos um mich herumsprang, antrabte, vorpreschte, die mitgehenden Pferde drangsalierte um sie zum Spielen aufzufordern etc. Nein, er war nicht böse oder sonstiges. Er war einfach völlig übermütig und verstand nicht, warum er ruhig neben mir herlaufen sollte. Umso stärker und größer er wurde, desto schwieriger war es für mich dieses Problem in den Griff zu bekommen. Ich versuchte es mit dem Begrenzen mit Strick oder Gerte, versuchte es über Bewegen auf dem Platz vorm Spaziergang, mit Führkette, mit Volten gehen, Anhalten und Rückwärtsschicken. Nichts verbesserte die Situation. Mit meinem Latein war ich am Ende. Alles das was ich gelernt hatte, funktionierte überhaupt nicht. Im Gegenteil sogar, es machte alles nur noch schlimmer. 

Umso mehr ich an Nero rumdokterte, desto genervter war er. 

Die Beziehung wurde schlechter und ich bekam so langsam ein ziemlich unbehagliches Gefühl, denn Nero zeigte seinen Unmut relativ deutlich. Aus Spaß am Spaziergang wurde Frust. Nach und nach wurden die Spaziergänge immer seltener und ich vermied es, mich diesen Situationen auszusetzen. Das ging so weit, dass ich gar nicht mehr ins Gelände ging. Ich hatte einfach Schiss und war verzweifelt. Die Jahre vergingen und ich entwickelte mich weiter. Das Thema mit dem Angst vorm Gelände begleitete mich aber weiter, auch mit anderen Pferden. Sobald zu viel Spannung im Pferd war, beeindruckte mich das so sehr, dass ich mich richtig unwohl fühlte. Das spürten die Pferde natürlich und wurden ebenfalls angespannter. Es war ein richtiger Teufelskreis. 

Es musste eine andere Lösung her. Und zwar eine, die frei von Zwang und Gewalt war. Nach einiger Zeit hatte ich Glück und lernte Menschen kennen, die auf einer ganz friedvollen Weise mit ihren Pferden kommunizieren konnten und auch Probleme oder all diese Zwangsmaßnahmen lösen konnten. Ich habe gelernt, dass meine Gedanken, Emotionen und daraus resultierend meine Energien und meine Körpersprache dieses Problem mit meinem Pferd verursacht hatten. 

Als mir bewusst wurde wie ich wirke, in welcher Energie ich mich gerade befinde und was meine Körpersprache meinem Pferd mitteilt, wurden die Spaziergänge immer entspannter und schöner.

Ich fing ganz klein an, ging erstmal nur ein auf dem Hof umher und arbeitete mich dann selbst Meter für Meter vor. Denn diese bewusste Achtsamkeit war mental ganz schön fordernd. Das ist auch mein Tipp für dich. Mute dir nicht zu viel auf einmal zu! Du musst nicht von heute auf morgen zwei Stunden entspannt durchs Gelände kommen. Setz dich nicht unter Druck und hör auf deine innere Stimme, nicht auf die Stimmen um dich herum. Wenn du dich wohl fühlst und entspannt bleibst, schaffst du die Voraussetzung, dass es dein Pferd ebenfalls sein kann. 

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Heute gehen wir entspannt am langen Strick ins Gelände. Spaß, Leichtigkeit und Abenteuerlust haben uns zurückerobert. Und das auf einem ganz friedlichen Weg, einfach über die richtige Körpersprache und innere Einstellung. Früher hätte ich nicht gedacht, dass das so möglich ist. Doch es ist möglich und auch gar nicht schwer zu erlernen. Man muss nur wissen, worauf es ankommt. Wichtig ist vor allem, die Ruhe zu bewahren und sich selbst und auch das Pferd nicht zu überfordern. Oft geht man zu früh zu lange raus, obwohl das Pferd noch gar nicht bereit dazu ist. Oder man gibt dem Pferd unbewusst Signale, zum Beispiel zum Überholen, ohne es zu merken. Und dann wundert man sich, dass das Pferd immer und immer wieder überholt und man versucht es zu korrigieren. So etwas kann ein Pferd nerven. Es versteht nicht, warum der Mensch in dem einen Moment sagt, dass es überholen soll und es dann aber immer barscher zurückschickt. Dadurch können größere Probleme zwischen Mensch und Pferd entstehen.
Du solltest also darauf achten, welche Signale du deinem Pferd gibst, welche Energie du gerade hast und ob du sie hoch oder runter fahren solltest. Da kannst du dir merken, dass du die Energie deines Pferdes ausgleichen solltest. Umso angespannter dein Pferd ist, desto entspannter solltest du werden. Vergiss nicht dabei zu atmen. Und was natürlich auch ganz wichtig ist, ist deine innere Einstellung. Wenn du mit viel Angst losgehst und gleich eine riesen Runde drehen willst, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, das du dich nach dem Spaziergang nicht besser fühlst. Fang klein an und überforder dich nicht mental.
Weil ich weiß, dass die alleinige Umsetzung dieser Dinge ganz schön schwer ist, habe ich mich dazu entschlossen einen Onlinekurs zum Spaziergang mit Pferd anzubieten. Lies den Artikel zu Ende und schau dann gleich mal nach. Vielleicht ist das der kleine Schubs, den du gerade brauchst um das Problem an den Haaren zu packen.

Das Spazierengehen nimmt im Liberty Balance Training einen besonderen Stellenwert ein. Ja, hauptsächlich geht es dabei um die Freiarbeit, doch gerade am Anfang ist in der Freiarbeit nicht viel Bewegung. Doch ein Pferd, was nicht sonderlich viele Möglichkeiten hat sich frei zu bewegen, braucht einen Ausgleich. Ansonsten wird es durch den Bewegungsmangel auf Dauer krank werden. Gerade im Anfangsstadium in der Freiarbeit ist das Spazierengehen also eine super Ergänzung. Und dabei kann man auch richtig kreativ werden. Statt nur auf asphaltierten Straßen zu laufen, kann man auch mal durch den Wald gehen, über Stock und Stein. Je nach Gelände hast du die unterschiedlichsten Möglichkeiten (natürlich solltest du dich vorher informieren, ob es irgendwelche Verbote gibt).

Hast du Schwierigkeiten beim Spazierengehen oder hast es wie ich damals aus Angst oder Unsicherheit aufgegeben? Schreib mir gerne deine Geschichte oder hinterlass einen Kommentar.

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2 Comments on “Spazieren mit Pferden”

  1. Anfangs war er sehr ängstlich, man musste ihn zu jedem einzelnen Schritt überreden und alles war gruselig. Also sind wir in der ersten zeit höchstens die Straße vorm Stall auf und ab gelaufen das war schon aufregend genug. Mit der Zeit wurde er immer gelassener und wir könnten die Strecke langsam erhöhen. Inzwischen können wir durch komplette Dorf laufen, an Laubbläsern und allem möglichen vorbei. Ich hätte anfangs echt nicht gedacht das er sich noch so stark entwickeln kann. Also dran bleiben lohnt sich, jedes Pferd kann geländesicher werden mit genug Zeit und Geduld.

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