Die “Natürliche Schiefe” deines Pferdes

Sonja BurgemeisterUncategorized1 Comment

Ohne Seil, bleibt nur die Wahrheit

Hast du schon mal etwas von der natürlichen Schiefe des Pferdes gehört? In diesem Artikel möchte ich dir das Grundwissen zur natürlichen Schiefe des Pferdes vermitteln. Wenn du Fragen zu diesem Thema hast, kannst du mich gerne jederzeit kontaktieren.

Jetzt aber zum eigentlichen Thema!

Pferde sind wie wir Rechts- oder Linkshänder. Es belastet eine Körperseite mehr und kann sich auf einer Seite besser biegen. Es kommt also zu einer Mehrbelastung einzelner Körperpartien, bzw. einzelner Gliedmaßen.

Das Pferd ist dadurch auf einer Seite "hohl". Das klingt merkwürdig, ist aber tatsächlich so:
linkshändig Rechtshändig

Die hohle Seite entsteht, weil die Muskulatur des Pferdes auf dieser Seite verkürzt ist. Sie lässt sich weniger dehnen als die nicht hohle Seite.

Für ein Pferd in freier Wildbahn ist das an sich kein Problem. Es bewegt sich instinktiv, wie es gerade nötig ist. Doch bei der Haltung auf unseren begrenzten Flächen und der Tatsache, dass die Pferde geritten werden oder "unnatürliche" Bewegungen vollführen sollen (zum Beispiel das Laufen auf einem Zirkel), kommt es relativ schnell zu kleinen bis großen Problemen. Sowohl gesundheitlich (zum Beispiel Arthrose, Spat, Schäden an Gelenken, Sehnen und Bändern, ungleichmäßige Abnutzung der Zähne und Lahmheiten), als auch beim gemeinsamen Training (Pferd wendet nicht ab, drückt den Rücken weg, läuft über die innere oder äußere Schulter, versucht sich zum Beispiel auf dem Zirkel zu entziehen, bockt, steigt, sperrt sich, folgt nicht).

Auch Pferde, die nicht geritten werden aber eben einfach zu wenig Bewegung haben, können diese Folgen zu spüren bekommen. Aus diesem Grund geht es beim Liberty Balance Training nicht nur um den Aufbau einer Beziehung, sondern zum großen Teil auch um die Ausbildung und Gymnastizierung des Pferdes = FREI!

Ja, freie Gymnastizierung ist möglich! Es ist ein unglaublich förderliches Training für jedes Pferd. Ganz gleich, zu welcher Rasse es gehört, an welcher Disziplin du dich orientierst. Eine starke Schiefe beeinflusst ganz gewaltig die mentale Verfassung deines Pferdes. Umso schiefer dein Pferd ist, desto mehr Schwierigkeiten wird es dabei haben, deine Ideen wie auf dem Zirkel laufen, sich biegen, rückwärts gehen...umzusetzen. Es wird dir frühzeitig Zeichen geben, dass es mit gewissen Bewegungsabläufen und Lektionen Schwierigkeiten hat, doch wenn du diese nicht wahrnimmst, wird es sich wahrscheinlich immer weniger kooperativ verhalten und die Zusammenarbeit verweigern oder sich sogar wehren.

Anzeichen dafür können folgende sein. Es:

...ist angespannt

...reißt die Augen weit auf

...presst die Lippen aufeinander

...legt die Ohren an

…wirkt antriebslos

…wirkt unmotiviert

…streitet sich oft mit anderen Pferden

…wird schnell zornig

…zieht sich zurück

…ist ungeduldig

…ist aufgeregt

…ist oft ängstlich

…ist schnell gestresst

…ist in sich gekehrt

…ist teilnahmslos

…ist büffelig

…wirkt traurig

…ist unkonzentriert

…ist launisch

…kann sich auf einer Seite schlechter biegen

…wechselt selbstständig die Richtung und läuft bevorzugt auf einer Seite

…zieht nach außen

…kommt sehr weit rein auf einer Hand

…schaut nach außen

…reißt den Kopf hoch

…driftet mit der Hinterhand nach außen

…kann sich auf einer Seite schlechter biegen

…hält den Kopf weit oben

...drückt den Rücken nach unten weg

…wird phasenweise von selbst schneller oder langsamer

…trägt den Kopf auf dem Zirkel und in Ecken nach außen

…driftet mit der Schulter nach innen,

…galoppiert auf der falschen Hand an

…galoppiert gar nicht an

…geht nicht oder schlecht rückwärts

-bockt

-steigt

-reißt sich los

-schlägt aus

-rennt los

-lässt sich nicht einfangen

-beißt

-droht

-schlägt mit dem Schweif

-schlägt mit dem Kopf

-bleibt nicht stehen

Wichtig ist immer der Kontext, mit dem das Verhalten auftritt. Legt dein Pferd die Ohren an, wenn ihm ein anderes Pferd zu nah kommt, dann muss das nichts mit der Schiefe zu tun haben.

Übrigens fördert natürlich auch unpassendes Training und unpassende Ausrüstung die Schiefe und was gut gemeint war, verschlimmert den Zustand des Pferdes sogar noch.

Unpassendes Training kann z. B. so aussehen:

-zu wenig abwechslungsreiche Bewegungsmuster (Muskulatur braucht immer Reize um erhalten zu bleiben oder mehr zu werden)

-zu früh zu viel Training

-einseitige Übungen, wie z. B. Longieren bevorzugt auf einer bestimmten Hand

-die Schiefe des Reiters

-zu viel Training

-zu wenig Training

-Übungen, für die das Pferd noch nicht bereit ist oder die dem Pferd grundsätzlich mehr schaden als nutzen (zum Beispiel Zirkeln im hohen Tempo und auf sehr engem Kreis, so dass die Fliehkräfte sich negativ auf die Bewegungsmuster des Pferdes auswirken)

Wie aber erkennst du denn überhaupt, ob dein Pferd nun rechts oder links hohl ist?

Das links hohle Pferd trägt seine Mähne oft ebenfalls links, da der Mähnenkamm regulär zur hohlen Seite kippt. Das trifft nicht immer voll zu, ist aber grundsätzlich ein recht sicheres Zeichen
Das links hohle Pferd ist ein Rechtshänder, fällt also bevorzugt auf oder über die llnke Vorhand. Auf dem Zirkel macht sich das durch die Zentrifugalkraft bemerkbar, die sich natürlich mit Tempozunahme erhöht. Das links hohle Pferd läuft seinem Schwerpunkt nach und wird den Zirkel auf der linken Hand tendenziell vergrößern (wie stark hängt vom Grad der Schiefe ab). Auf dem Zirkel auf der rechten Hand passiert das Gegenteil, das Pferd wird den Zirkel verkleinern. Oft stellt sich das Pferd dabei vermehrt nach außen (der Kopf schaut also aus dem Zirkel nach außen). das Pferd fühlt sich auf der rechten Hand deutlich steifer an, denn es mag seine linke Körperhälfte nicht dehnen, bzw. es bereitet ihm Unbehagen. Das versucht es natürlich zu vermeiden. Es trägt den Kopf vermehrt links und überlastet als Ausgleich die rechte Schulter. Das linke Hinterbein greift weiter vor als das rechte, weicht dabei aber gleichzeitig zur Seite aus. Das Bein tritt mehr unter, als dass es schiebt. das rechte Hinterbein dagegen übernimmt den größten Teil des Schubs, tritt aber nur begrent unter. Beim Reiten wirst du das Gefühl haben, dass deine Hüfte links tiefer runter "gezogen" wird.

Beim rechts hohlen Pferd passiert natürlich genau das Gegenteil.

Beobachte dein Pferd nun genau und finde heraus, zu welcher Seite dein Pferd hohl ist. Wenn du das herausgefunden hast, kannst du in Zukunft ganz gezielt Übungen für die jeweilige Schiefe anwenden und deinem Pferd dabei helfen, gesund und ausbalanciert durchs Leben zu gehen.

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